Mittwoch, 25. März 2015

Das Nähcamp und der störrische Designerfummel aus "Bold and Beautiful"

Zeit, dass ich wieder etwas von mir hören lasse. Am Freitag habe ich hier alles stehen und fallen gelassen und bin mit Sack und Pack - soll heißen Nähmaschinen, Stoffen und allerhand Krims und Krams- nach Berlin gedüst. Zusammen mit über 40 Bloggern und Nähbegeisterten ein Hotelwochenende im Dorint Adlershof, ganz ohne quengelnde Kinder, Wäscheberge und Kochtöpfe. Ein Verwöhnprogramm mit viiiieelen netten, kreativen Leutchen. Initiiert von Elke (ellepuls), coorganisiert von Catrin (stoffbüro) und Marie (mariegemachtes) war es wieder ein echtes Highlight-DANKE euch (und natürlich auch den großzügigen Sponsoren)! Ich habe leider keine Fotos gemacht, bei Elke gibt es, neben dem (netterweise zur Verfügung gestellten) Gruppenfoto, einen ausführlichen Bericht zu lesen:

Zwei volle Tage hieß es- nähen, essen, quatschen und ganz besonders für mich - TRENNEN. Mein Nähplan war alles andere als leichte Kost-schon fast etwas wahnwitzig in so einem geselligen Rahmen. Mein Plan: Ein asymmetrisches Kleid, mit unheimlich vielen Teilen, rätselhaften Kurven, Ecken und einer mehr als dürftigen Anleitung. Zweifel hatte ich schon vorher, aber ich wollte uuunbedingt ein Geburtstagskleid für mich basteln, das Leinen ist eben mein Geschenk -3 Meter feinstes Bioleinen-soviel braucht es für das Kleid:

asymmetric dress, bold and beautiful, Habibe Londonasymmetric dress, bold and beautiful, Habibe London

Zu finden ist dieser Schnitt in einer weiteren  Neuanschaffung in meinem Bücherregal. Der nähende Lagenlook-Liebhaber weiß, wie schwer solche verrückten Vorlagen zu bekommen sind -eigentlich gar nicht-. Dabei lohnt angesichts der stattlichen Preise in Boutiquen für solche Teile das Selbermachen wirklich.
KLICK aufs Bild zum Reinblättern und Bestellen (Danke)

Im Buch finden sich 15 außergewöhnliche Schnitte- Hosen, Jacken, Kleider, Oberteile-alle aus der Kollektion der Designerin Habibe Acikgoz, deren Kleider für richtig viel Schotter fertig zu erstehen sind. Im Buch finden sich die Schnittoriginale auf einer CD mit pdf-Druck Dateien in Einzelgrößen. Hier eine Übersicht mit Umrechnung in deutsche Größen:

How to assemble the skirt, Bold and Beautiful, overview sizes
Ich habe für mich das Asymmetric dress in der kleinsten Größe gewählt und es passt ohne Gewackel, es sitzt auch nicht zu locker, sondern leicht umspielend, der Rock ist schon fast eine Stoffskulptur, er schwingt wunderbar und zeigt in jeder Position eine andere Form. Die Tasche war mir zuviel des Guten, die hab ich mir geschenkt, obwohl ich damit sicher das herumliegende Spielzeug in einem Ritt wieder in die Kinderzimmer hätte transportieren können:
Der Druck der Schnitte ist natürlich wieder der Hammer in Sachen Papierverbrauch, da alle Teile eben asymmetrisch und damit nicht auf ein Spiegelteil zu beschränken sind-seis drum. Da muss man durch. Die andere symmetrischen Schnitte sind jedoch auch wieder doppelt gemoppelt. Es handelt sich um unbearbeitete Industrieschnitte, wie schon bei Twinkle Sews. Naja...wahrscheinlich ist die Anpassung ans Hobbyformat einfach zu viel Arbeit für die Verlage?! ( zur Erinnerung - ein Schnitt kostet bei diesem Buch schließlich gerade einmal 1,60 €!)

Nun zur Nähpraxis: Das Buch ist eine Schatzkiste, genauer ein Safe, denn es braucht schon sehr viel Phantasie und Muße sich in die Konstruktion hineinzudenken und die Lücken im Text mit Sinn zu fülen. Eine harte Nuss. Gerade mein gewählter Schnitt glänzt mit ganzen 12 Rockteilen (A-F für hinten und vorn), die Nähbeschreibung beschränkt sich auf einen kurzen Satz ( pin A to B, B to C....right sides together and stitch...OHA, DANKE!), das Ganze hat mich wahrhaft in den Wahnsinn getrieben. Es findet sich im Buch weder eine technische Zeichnung, die die Lage der einzelnen Teile ersichtlich macht, noch kann man auf den (hübschen) Fotos den Verlauf der Nähte erkennen. Und das bei einem Buch, das mit "Easy-Sew Clothes" untertitelt ist und mit absoluten Nähgrundbegriffen einige Seiten füllt. Für blutige Anfänger findet sich sicher das ein oder andere simple Stück, das Gros erfordert aber einiges an Geschick und Erfahrung.

Weil ich auch nicht vergessen mag, was ich da mit der Methode "Trial and Error" unter Zuhilfenahme des Nahttrenners gelernt habe, hier an dieser Stelle eine hoffentlich aussagefähigere Zusammenbauskizze für verzweifelte Nachmacher, die sich auch in  amerikanischen Nähforen tummeln (daher international gefasst):
How to assemble the skirt, Bold and Beautiful, asymmetric dress
Fürs nächste Nähcamp noch der Merker für mich: nimm jajajaja das nächste Mal lieber etwas mit, was du im Schlaf beherrschst und lasse in Gottes Namen solche Denk- und Puzzleprojekte im stillen Nähkämmerlein! Dort kam mir nämlich just nach der Heimkehr so manche Erleuchtung, die ich in Berlin schon als Schnittmusterfehler definiert hatte. Getrennt habe ich also auch zu Hause reichlich. Aber nun weiß ich wie es geht. Endlich.

Und weil heut schon die halbe Woche um ist, ab damit zum MeMadeMittwoch.

Liebe Grüße von Nicole

Donnerstag, 12. März 2015

RUMS - fernöstlicher Minimalismus II

Heute die letzte Farbe aus meinem Leinenvorrat-Pflaume, Lila, Lavendel, Aubergine - tja, was denn nun eigentlich? Is ja auch Rille, eins steht fest-Orange ist nicht nur meine Lieblingsfrucht, die ich als Kind zentnerweise vertilgen konnte, sondern auch ein schöner Kontrast dazu:
Dieses Teil von Mayme aus der Pochee Vol. 7 stand schon ewig auf meiner Liste. Nun hängt es in meinem Schrank-und weil Mond so einen herrlichen Post über die bezaubernde Ästhetik der japanischen Fotos schrieb, zeige ich euch einfach mal die gekonnte Präsentation der Japaner-ein Stuhl mit einer Milch und ein Apfel-hihi-mein "Störer" ist orange...
Und wie zum Geier man sich in einem Heft zurechtfindet, das rückwärts vorwärts geblättert und voller unverständlicher Schriftzeichen ist? Eigentlich kein Problem-intuitiv, viele Bilder, ein paar Zahlen, Maßangaben in cm...und bei meiner Tunika gab es sogar einen Fotokurs:
Komisch ist auch, dass ich oft an den Entwürfen von Mayme hängenbleibe- in dieser Pochee gab es sogar einen Einblick in ihr Atelier. Bei dem Anblick des aufgeräumten Nähreiches überkommt mich schon ein ziemlicher Drang, bei mir mal ordentlich auszumisten...
Das Nähen war jedenfalls eine wahre Freude, so langsam finde ich Gefallen an der Exaktheit, die feste Stoffe einem abverlangen. Für diese Art des Nähens brauche ich eigentlich nur Ruhe, nicht mal ein Radio.
Ich glaube das ist nun das letzte Japanteil, was ich im Rahmen des Sew-Alongs schaffen werde, bereichern wird es meine Garderobe auf jeden Fall-zu jeder Jahreszeit. Danke an Catrin vom Stoffbüro für die Organisation dieses anspornenden Zusammentreffens in der virtuellen Nähwelt!


Euch einen schönen RUMS-Tag und
liebe Grüße von
Nicole
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