Dienstag, 26. April 2016

Nähspaß & Kinder und was beide gemeinsam haben

Am Wochenende war Junior wieder in den Technischrank abgetaucht und hat überglücklich ein längst verstaubtes technisches Wunder herausgefischt. Neben der analogen Spiegelreflex kam die gute alte Videokamera von vor dem ersten Kinde zum Vorschein, noch so eine mit richtig Band darinnen.

Die alte Kassette im Gerät sorgte für mächtig Belustigung bei den Kindern. Ein Band aus Zeiten, in denen der heutige Kameramann noch recht hilflos die Bespaßung der großen -von Windpocken übersäten- Schwestern über sich ergehen lassen musste. Junior ein Baby, der Käfer war noch nicht in einmal in Planung, das Nähen als mein Hobby ebenso wenig. Hach...da denkt Frau schon ein wenig zurück...

Das Nähen kam erst mit dem kleinen Käfer in meinen Alltag geflogen und brach sich mit den ersten bunten Jersey von Michas Stoffecke so richtig Bahn. Es unsere Klamotten bunter gemacht, ich bin mit den Ergebnissen gewachsen und auch hat es mich auf einen damals undenkbaren Weg gebracht - zum Stoffe entwerfen und selbst produzieren.
Der Käfer ist in der Zwischenzeit zum äußerst selbstbewussten, kecken Fräulein geworden. Lange darf  ich sie sicher nicht mehr benähen-zumindest nicht so bunt wie heute. Umso mehr koste ich es aus, ein Stück zusammen in ihrer kindlichen Phantasiewelt zu weilen. Da darf es ruhig ein wenig schräg sein. Katze, Maus und Pferd, ordentlich bunt-das findet der kleine Käfer noch affenstark.
Für dieses Kleidchen habe ich noch einmal die dufte Lina aus dem Schnittmusterarchiv gezaubert und zum Minikleid frisiert. Mit dem Erwachsenwerden beim Nähen setzt ja doch eine gewisse Klarsichtigkeit ein, nicht mehr jedes Schnittmuster haben zu müssen. Hust...ich scanne mittlerweile jeden Schnitt auf sein Grundgerüst und es erscheint mir anspornender, lieber mit Vorhandenem selbst tätig zu werden, als haufenweise Ebooks zusammenzukleben und immer neue Passformtests zu durchlaufen. 

Geht euch das auch so? Schnittmuster wie Sand am Meer und euch schwirrt der Kopf? Nur noch wirklich Besonderes lege ich mir zu. 

Lina mit den süßen Puffärmeln und dem Retrolook gehört definitiv dazu - unverändert.
Bei meinem Stoffpanel habe ich diesmal auch ein Experiment gewagt. Rationellerweise finden sich gleich alle drei Stoffe dieses Kleides  auf einem Rapport und so bleiben auch keinerlei Reste mehr im Stoffregal. Eine Premiere unter meinen Stoffentwürfen-und es funktioniert prächtig. Doch auch mal ein recht effektiver Weg, um ans bunte Ziel zu kommen.

Ich bin jedenfalls wild entschlossen, mir meine Freude an Stoffen, den Farben und dem Bunten an sich nicht vermiesen zu lassen. Nicht vom Erwachsenwerden-weder bei den Kids, noch beim Nähen. Ich stecke mitten im Näh-Experimentieren, mit den Kindern und mir selbst. Aber davon später.

Schließlich ist Nähen, mein Hobby, meine Leidenschaft und mein Spielplatz! Basta! Bei euch doch hoffentlich auch?

Liebe Grüße von
Nicole

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Dienstag, 12. April 2016

Creadienstag & 10 Gründe warum ich gerne Festkleidung nähe

Derzeit rauchen hier im Nähstübchen Nadeln und der Kopf.

Die Kinder werden größer. Doch es ist nicht unbedingt das Längenwachstum, das das Nähen von passenden Klamotten von mir fordern würde. Normale T-Shirts sind mittlerweile keine technische Herausforderung, die meinen Kopf zum Qualmen brächten. Eher ist es das Großwerden an sich, das ab und an einmal ein kleines Ereignis wie Schulanfänge oder auch die Erstkommunion an einem vorbeiziehen lässt.

Nur mag ich das eben nicht einfach vorbeiziehen lassen. Jedes Mal bekomme ich irgendwie die hirnrissige Idee: die Klamotten werden selbst geschneidert! Wieder steht eine Erstkommunion ins Haus, die dritte und vorletzte meiner Kinder-Juniors. Jungs tragen zu diesem Anlass bekanntlich Anzüge-so richtig mit Sakko, Hose und Hemd! Hose: okay-hatte ich schon-Hemd und Sakko never ever! Schwitz! Das Sakko habe ich bereits gemeistert-die Knöpfe fehlen noch:
Ottobre 6/2015, Sakko nähen
Jedes Mal fragt mich meine Umgebung, warum ich mir das um alles in der Welt antue? Für einen Tag? Sachen, die dann eigentlich ganz schnell zu klein werden?! Was treibt mich dazu?

Blogtechnisch ist mir mal nach etwas mehr Text (seid gewarnt), und so fasse ich das, was mir beim Nähnachdenken über diese Frage klar geworden ist, an dieser Stelle einfach zusammen. Denn komischerweise stelle ICH mir die Sinnfrage nicht. Hier nun meine PRO-Argumente:

Warum du auch einmal probieren solltest Festkleidung zu nähen:

1. Du bist MOTIVIERT. 

Motiviert heißt, man hat ein Motiv. Nichts ist anspornender als ein echtes, wahres Motiv, das einem das Leben vor die Nase setzt. Du musst nur zugreifen.

Der Schulanfang der Großen war meine absolute Nähinitialzündung, damals vor mittlerweile 8 Jahren. Nach neuen Gardinen nach dem Einzug ins neue Haus (Motiv hübschhabenwollen)und der wahnwitzigen Nachfertigung der kompletten Innenzelte unseres gebraucht gekauften Klappfixes kurz vor dem Urlaub (Motiv gemütlichhabenwollen), hatte ich Blut geleckt. Nähen rockte und der Schulanfang meiner Großen stand ins Haus.

In einem Ebay-Päckchen (damals kaufte ich noch Überraschungspakete mit Resten) fanden sich wunderbar zueinander passende Stöffchen in Naturfarben. Meine erste Burda, die mir in die Hand fiel, enthielt nun zuckersüße Schnitte einer französischen Designerin. Klassische Leinensachen, die mir suuuper gefielen. Bääääm-da war es da, das Motivensemble, das mir Flügel wachsen lässt-eins allein taugt wenig.

Mein geplanter Kommunionanzug fand sich übrigens in der letzten Winterottobre-diese Ausgaben sind meist eine echte Fundgrube in Sachen Festkleidungsschnitte für Kids:
2. Du kannst dabei LERNEN.

Festkleidung ist anders als Alltagskleidung. Es laufen dir dabei Nähtechniken über den Weg, die neu für dich sind, die du im normalen Nähalltag galant umschiffst. Wer lernt schon freiwillig, ohne echtes Motiv? So nach dem Schulabschluss, versteht sich. Wann wachsen Erwachsene? Ich finde, sie sollten.

Bei diesem ersten Schulanfangsprojekt war das ein reines Nähgewächshaus in dem ich schwitzenderweise ganz allein saß, denn so richtige Klamotten hatte ich noch nie gebastelt-Freestyle-Faschingskostüme einmal ausgenommen.

Ich habe all meinen Mut zusammengekratzt und ein für einen Anfänger total wahnwitziges Unterfangen gestartet. Aus Webstoff, mit Raffung, Puffärmelchen, Schrägstreifenversäuberung, Knopfleiste, Bindebandtunnel, Knopflöchern. Und das alles mit einer wirklich stinknormalen Nähmaschine - mit Burda(!)schnitt und -anleitung! Vielleicht war es ja eine Art Naturtalent, was in mir schlummerte? ...hust...

Durchbeißen war die Devise und termingerecht war alles geschafft- der Anzug hat sogar noch einmal der zweiten Tochter gute Dienste geleistet. Das Leinenjäckchen fehlt auf dem Foto und den -aus heutiger Sicht- peinlichen Hut habe ich gleich mal samt Gesicht weggelassen:

3. Du hast einen TERMIN

Das, was dir die Alltagsnäherei nicht bietet, ist ein echter, dringender Termin. Der lässt sich nicht verschieben und  bei einsetzender Frustration kannst du das ganze Werk nicht im hohen Bogen auf den UFO-Haufen werfen.  Es wird dir nicht so leicht gelingen, denn a) hast du im schlechtesten Falle dein Ansinnen bereits unbedacht hinausposaunt -mach das besser nie- und b) hihi:

4. Du hast einen konkreten ABNEHMER,

der dich nun ja -kontrolliert- ist vielleicht zuviel gesagt. Gedankenkontrolliert. Da ist jemand, den du liebst, der kurzbeinig mit großen Augen voller Vertrauen und Bewunderung zu dir aufsieht und der sich auf sein Fest freut. Und den willst du keinesfalls enttäuschen! Klar würde dein Kind dein Scheitern auch verstehen, aber es ist dein ICH, deine motivierte, terminierte Ich-scheitere-auf-keinen-Fall-Stimmung, die dich zur Höchstleistung antreibt. Reite die Welle.

5. Der Prozess ist ein Vorher-Fest an sich.

Für mich jedenfalls. Denn beim Nähen bietet sich einfach ein Raum, in dem man mit sich, dem Projekt und seinen Gedanken eins ist. Bei mir ist bei Kniffligkeiten Ruhe geblasen-keine Musik, keine Ablenkung. Ich mag die Ruhe. Man kann die Gedanken schweifen lassen, vieles Erlebte Revue passieren lassen, sich freuen über sein Wachsen und Gedeihen des Kindes, für das man die Klamöttchen zusammennäht. Kann man das, wenn man gehetzterweise mit nölendem Kind nach wenig angebotener Festkleidung die Läden durchforstet? Wohl kaum. Dazu ist man nicht in Stimmung, denn was passt schon auf Anhieb?

6. Was du nähst, das passt.

Zumindest ist das so, wenn du dich vorher mit dem Maßband bewaffnet ausführlich deinem Kind widmest. Und nach meiner Erfahrung genießen sie diesen Vorgang. Da braucht keiner den Bauch einziehen-der Bauch ist nicht störend, sondern wichtig.

7. Du kannst danach einen echten Sieg feiern

Auch wenn ich nienieniee einen Marathon laufen würde, so fühlt sich ein Läufer an der Ziellinie gewiss so ähnlich wie deinereiner. Du hast den inneren Schweinehund besiegt, dein Nahttrenner duzt dich spätestens jetzt und du hast Dinge gemeistert, die du dir vorher nicht zugetraut hast.

Parallele Steppnähte mit brutalem Kontrastgarn zum Beispiel:

 8. Dein Kind ist stolz wie Bolle auf die Klamotte

Selbst wenn dein Werk nicht zu 100% perfekt ist. Solche Sachen siehst nur du, sofern dein innerer Kontrollapparat in Absprache mit dem Nahttrenner ganze Arbeit geleistet hat. Wenn du dein Kind ordentlich mit einbezogen hast, es sogar noch selbst über Stoffe, Schnitt und Details entscheiden konnte, fühlt es sich sogar noch ein wenig als Mitarbeiter deiner Nähmanufaktur.

9. Du hast Geld gespart

Hust...das ist eigentlich der dusseligste Grund, der mir -mit entsprechender Erfahrung beladen- dazu einfällt. Aber es ist komischerweise, DAS schlagende Argument, das Nichtnähern als erstes voller Bewunderung über die Lippen schlüpft. Daher wappne dich schonmal für diesen Moment, ziehe dir vielleicht ein Video über die Queen rein. Übe das königlich huldvolle Lächeln und das elegant gnädige Kopfnicken und lenke den Fokus auf nur die Bewunderung deines Gegenübers. Vermeide in diesem Moment alle Aufrechnung deiner Mühen und deiner Zeit, denn das, was drin steckt, lässt sich ohnehin nicht in Minuten und Euronen aufrechnen. Lächle einfach.

10. Du hast ein Stück Liebe geschenkt

Deinem Kind, dir und der Welt. Ich -als unverbesserlicher Idealist- glaube an diese Investition. Sie lässt sich nicht kaufen.

Nähen ist Liebe. Nähen lohnt. Und es rockt!

In diesem Sinne einen wundervollen Creadienstag! Und ich schwinge mich mal an die nächste gefühlte Mission Impossible - das Hemd fehlt noch, mein erstes ever. Und eine Knopflochautomatik habe ich nicht. :D Drückt mir die Daumen!

Liebe Grüße von
Nicole


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